Alle Beiträge von Anna Pohlmann

Tanzanleitung


Das prozessorientierte Anleiten von Tanz- und Bewegung in Gruppen und im Einzelkontakt ist eine Voraussetzung der tanztherapeutischen Arbeitsmethode. Als Kunsttherapie kommen dabei Fragen zur Anleitung von Tanzstilen und zur künstlerischen Projektarbeit innerhalb therapeutischer Arbeitsweisen zur Anwendung.

Sie bieten die Möglichkeit, sich im Anleiten von Tanz- und/oder Bewegungsinterventionen zu erfahren und Fragen aus der Praxis von Tanztherapie unter Supervision vertiefend zu reflektieren. Dieses Seminar ist sowohl für TanztherapeutInnen aus der beruflichen Praxis als auch für Absolventen der Weiterbildung und für Personen aus anderen tänzerischen oder therapeutischen Berufsfeldern geeignet.

Supervisionsseminar


In diesem Seminar kommen unter fachspezifischer Supervision, tanztherapeutische Fragestellungen aus der Praxis zur theoretischen Betrachtung und gegebenenfalls zur praktischen Umsetzung. Dabei stehen Themen zur Diagnostik, die Bedeutung von kreativen Medien und der Bezug zur tänzerischen Projektarbeit im Vordergrund ebenso wie die Planung und Durchführung von tanztherapeutischen Angeboten.

Berücksichtigt werden die innerhalb des tänzerischen Bewegungsgeschehens auftretenden Übertragungsphänomene und die in diesem Zusammenhang stehende professionelle verbale Begleitung. Grundsätzlich prägen die tanztherapeutischen Fragestellungen der Teilnehmer den Verlauf dieses Seminars.

Für alle Personen, die professionell an diesen Fragestellungen interessiert sind und für Absolventinnen der Weiterbildung am PITTH. Bescheinigung zur Fortbildung.

Authentic Movement und Tanztheater

In einer fortlaufenden Gruppenerfahrung  mit der Methode des Authentic Movement können unter Einbeziehung tanztherapeutischer Methoden persönliche Probleme sich positiv verändern und  der Zugang zu einem kreativen Potential sich eröffnen oder sich intensivieren. Sie stärkt das „Selbstempfinden“ und führt zur tragfähigen persönlichen Sicherheit und zu einem stabilen Umgang mit konflikthaften Prozessen. Im „Spiegelbild der Anderen“ wird der Körper als emotionaler und materieller Erfahrungsraum wiederbelebt.
Die Methode wurde von Mary Stark Whitehouse (USA) begründet und von Janet Adler (USA) weiter entwickelt. Durch die Beziehung zwischen einem „Mover“ mit geschlossenen Augen während der Bewegung und einem „Witness“ als aufmerksamer Zeuge der Bewegung, werden in der freien Improvisation sowohl verborgene Bilder wiederbelebt als auch verschüttete Prozesse zu tiefen Schichten der Erinnerung möglich entsprechend einer aktiven Imagination innerhalb der Bewegungsimprovisation. Die Erfahrungen werden unter Beachtung einer wertfreien und nicht interpretierenden Kommunikationsweise verbalisiert, was zur fortschreitenden Selbsterkenntnis führt. Am Institut werden mediale Ausdrucksformen und spezifische Methoden der Tanztherapie prozessorientiert in die Methode des Authentic Movement einbezogen. Sie verhelfen dazu eine dreidimensionale Struktur des Koerpers erfahrbar zu machen, womit durch das Erleben von Koerpergrenzen eine Stabilisierung der Persönlichkeit gegeben ist, die zu Erlebnissen von tiefergehenden Prozessen die erforderlichen Voraussetzungen schafft. Somit  ist die Teilnahme an diesen Gruppen für einen vielfältigen  Personenkreis möglich.

Die Idee eines therapeutischen Tanztheaters entwickelte sich in Anlehnung an die Methode des „Theater der Unterdrückten“ von Augusto Boal in Brasilien. Darin wird Kunst und Selbsterfahrung mit politischem Probehandeln kombiniert. Die Inhalte der Szenen entstehen aus einem Dialog von Teilnehmern und dem Regisseur. Ausgehend von diesen Prinzipien entwickeln sich die thematischen Inhalte des therapeutischen Tanztheaters basierend auf den Erfahrungen und Bewegungsformen der TeilnehmerInnen innerhalb der fortlaufenden Gruppe des Authentic Movements. Deren Inhalte werden in einem gemeinsamen Dialog zu einer Choreografie als Tanztheater umgesetzt. So entstehen die Szenen aus den  emotionalen und tänzerischen Erfahrungen der GruppenteilnehmerInnen und den darin verwendeten Medien von Musik, Malerei, Tonarbeiten und Videos. Über eine eventuelle Aufführung entscheiden die GruppenteilnehmerInnen.

Leitung: Anna Pohlmann
Kosten: siehe Preise
Anmeldung hier

Zur Teilnahme an der Gruppe ist ein kostenloses, persönliches Vorgespräch verpflichtend.

 

Interkulturelle Tänze und Tanztherapie

Dieses Seminar vermittelt Kenntnisse von interkulturellen Tänzen und verbindet diese mit einer Reflektion des individuellen Erlebens durch Methoden der Psychotherapeutischen Tanztherapie. Zur Anwendung kommen lateinamerikanische, europäische und orientalische Tänze. Bei Bedarf können auch TeilnehmerInnen Tänze einbringen. Die spezifischen emotionalen Ausdrucksweisen der Tänze mit ihren kulturellen und formgebenden Aspekten bestimmen mit ihren spezifischen Rhythmen den prozessorientierten Inhalt des Seminars. Die emotionale und sinnliche Erfahrung des „Eigenen und des Fremden“ ermöglicht somit biografisch als auch sinngebend ein tieferes allgemeines Verständnis für die Vielfallt innerhalb eines gemeinsamen Ursprungs.
Allgemein wird von einem Kulturbegriff ausgegangen, der von einem gemeinsamen Ursprung menschlicher Existenz ausgeht, auf dem sich die Besonderheiten nationaler Identität in gegenseitiger lebens- und umweltbedingter Vermischung herausgebildet haben und der Tanz als eine „Brücke des Verstehens“ an zu sehen ist.
Die Teilnahme bedingt keine tänzerischen Vorkenntnisse, doch die Motivation sich auf die Erfahrung von Rhythmus und tänzerische Vorgaben einlassen zu wollen.
Zur Anwendung kommen unter anderem, folgende Tänze:  Walzer, Bachata, Salsa, Sufi-Kathak, Ausdruckstanz und Zeitgenössischer Tanz in der Vermittlung und Selbsterfahrung

2017 kein Angebot

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Der Tanz und das Symbol

Das Spezifische an Jungs Lehre ist neben der Berücksichtigung traumatischer Erlebnisse die Betonung auf Aspekte von Erfüllung und Vervollkommnung. Diesen Entwicklungsprozess bezeichnet er als Individuation des Menschen, der darin in seiner Lebenszeit das in ihm „angelegte Potenzial“ immer mehr entdeckt und als zu sich gehörend annimmt. Auf diese Weise kann er sich schöpferisch in seiner Lebensgestaltung entfalten. Leitbilder auf diesem Weg sind die Symbole als geheimnisvolle Wegweiser, nicht nur im heilenden Kontext der Psychotherapie, sondern auch im künstlerischen Schöpfungsprozess und im Schicksalsprozess des Lebens. Verbunden damit ist die Hinwendung zum eigenen Schatten, der nach Jung unsere unbewussten und somit verdrängten Potenziale enthält.
Der Tanz, die freie Bewegungsassoziation und die Träume, ermöglichen einen Zugang zu Inhalten des Unbewussten mittels ihrer symbolischen Form. Damit kann mit einem Umkreisen des Symbols begonnen werden, um seinen Sinn zu erspüren, tiefer zu ergründen und bewusst zu erleben.
In diesem Seminar werden der „Schatten“, die „Archetypen“ und die „Mythen“ in der tänzerischen Bewegungsimprovisation im Kontakt zum Unbewussten wiederbelebt, über die Gestaltung ins Bewusstsein gebracht und im Gespräch vertieft.
Gegebenenfalls kann die“ Transzendente Funktion“ der jungianischen Lehre aufgenommen werden

2017 kein Angebot
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Fortlaufende
Supervisionsgruppe

Aufgrund von Nachfragen werden drei fortlaufende Termine innerhalb einer halboffenen Gruppe zu supervisonsspezifischen Fragen von Tanztherapie angeboten. Dabei stehen Fragen aus der praktischen Tätigkeit in einem fortlaufenden Prozess im Vordergrund. Es besteht damit die Möglichkeit, mit Erfahrungen im Anleiten von Psychotherapeutischer Tanztherapie bis hin zur tänzerischen Projektarbeit zu experimentieren und unter Supervision zu reflektieren. Somit wird Fortbildung und weitere Vertiefung der Professionalisierung in der tanztherapeutischen Tätigkeit gewährleistet. Gegebenenfalls auch dazu verhelfen, den Einstieg in die Praxis von zu erleichtern. Die Gruppe ist vorerst für vier Monate anvisiert, könnte aber bei Bedarf verlängert werden.

Dieses Seminar ist sowohl für TanztherapeutInnen unterschiedlichster Ausrichtungen als auch für Absolventen der Weiterbildung des Instituts geeignet. Bei entsprechenden Anliegen ist es auch für Personen aus anderen tänzerischen oder bewegungsorientierten Berufsfeldern geignet.
Leitung: Anna Pohlmann

Zur Anmeldung für alle Termine bitte aus technischen Gründen auf dem Formular der Webseite jeden Termin  einzeln anmelden oder sonst per mail bzw. telefonisch.

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2. Zulassungsseminar

Der Einstieg in den Grundkurs und die Anmeldung zur Weiterbildung erfolgt nach der erfolgreichen Teilnahme an einem Zulassungsseminar. Mit entsprechenden Voraussetzungen ist der Einstieg in einen laufenden Kurs eventuell möglich, dann erfolgt die Aufnahme ebenfalls über die Teilnahme an einem Zulassungsseminar. Grundsätzlich ist dieses als ein beiderseitiges Auswahlseminar aufzufassen. Es vermittelt in Theorie und Praxis als Selbsterfahrung die Arbeitsweise des Instituts und beinhaltet unter anderem die tanztherapeutische Arbeit mit Märchen. Ein tabellarischer Lebenslauf mit den wichtigsten Lebensdaten und dem beruflichen Werdegang sollten vorliegen. Die Anmeldung kann schriftlich oder per mail erfolgen.
Leitung: Anna Pohlmann

Zur Anmeldung:
Kurs am 10.09.2016 Kurs am 29.01.2017

Authentic Movement
intensiv

Dem frühen archaischen Bewegungserleben wird eine besonders elementare Kraft zugeschrieben. Sie speist sich aus biologischen Wurzeln, die sich als elementare und urwüchsige Empfindung sprachlos aber effektvoll als lebenswichtiges Kräftepotential äußert. In diesem 20 stündigem Seminar wird mit kreativen Medien und tanztherapeutischen Arbeitsweisen ein Zugang zu diesem Bereich eröffnet, der mit dem Authentic Movement vertiefend körperlich erfahrbar wird und ins Bewusstsein dringen kann. Insofern bildet die Basis dieses Intensivseminars das Authentic Movement als Methode der psychotherapeutischen Tanztherapie. Das Authentic Movement beinhaltet die Beziehung zwischen einem „Mover“ mit geschlossenen Augen während der Bewegung und  einem  „Zeugen“ als aufmerksamen und achtsamen Begleiter, bezogen auf eine aktive Imagination der Bewegung.  Beide vertiefen ihre Erfahrungen in  einem wertfreien und nicht interpretierenden sprachlichen Austausch. Ziel ist es, tiefgehende Erfahrungen mit sich Selbst im „Spiegelbild des Anderen“ zu erfahren, den Körper als emotionalen und materiellen Erfahrungsraum kennen zu lernen und seinen Gedächtnisspuren näher zu kommen.Verschüttete und unbewusste Erinnerungen können ins Bewusstsein dringen und im Tanz zum Ausdruck und zur Darstellung kommen. Durch innere Bewegungen, dem Nachgeben willkürlicher Bewegungsimpulse, entstehen Körperempfindungen und Sinneseindrücke, die als archetypische Bilder in Erscheinung treten. Unter Umständen enstehen daraus kleine performative Darstellungen.

Dieses verlängerte Wochenendseminar bietet die Möglichkeit einer intensiven persönlichen Erfahrung mit den unbewußten und eventuell verschütteten Anteilen der Persönlichkeit und die Methode des Authentic Movement, wie es in besonderer Weise am Institut durchgeführt wird, kennenzulernen.

Tanztherapie + Märchen

Das Märchen „Schneewittchen“ der Gebrüder Grimm ist die Geschichte weiblicher Adoleszenz innerhalb einer Elternbeziehung, in der uns von Beginn an das negativ narzisstische Element aufgezeigt wird. Hier begegnen uns die vielfältigsten Schwierigkeiten weiblicher Entwicklung, aber auch männlicher – väterlicher – Versagung. Das sich daraus entwickelnde Drama des Neides thematisiert in bestimmender Weise auch heute noch bedingt unser Beziehungsverhalten. Somit werden wir uns mit Fantasien, Gedanken, Bildern, Empfindungen und dem tänzerischen Bewegungsausdruck diesem Märchen als Geschichte von Vernichtungsplänen, Mordanschlägen und einer passiven Heldin in kreativer und „bewegender“ Weise nähern, um so eventuell unserem eigenen Drama zu begegnen. Letztendlich um durch die Begegnung mit unseren inneren Konflikten, den bösen und destruktiven Seiten unserer Persönlichkeit, zu einer neuen und erfüllten Phase des Weiblichen zu gelangen. Je nach Verlauf, werden Aspekte des Märchens bzw. Mythos „Amor und Psyche“ von Apuleius inhaltlich mit einbezogen sowie auf der methodischen Ebene vielfältige kreative Medien und eventuell Aspekte des Authentic Movements.
Leitung: Anna Pohlmann und Antje Feistel

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Therapie+Muttergöttin
Sudhir Kakar

Das indische Selbst ohne Zeit und Raum
aus: Zeit Online – Wissen
von Sudhir Kakar

Bei meinen Reisen in  Europa und den Vereinigten Staaten werde ich oft gefragt, ob Psychoanalyse überhaupt möglich sei in einer traditionellen nichtwestlichen Gesellschaft, die sich in ihren Familienstrukturen und in ihren religiösen und kulturellen Werten so sehr vom bürgerlichen Westen unterscheidet, wo die Psychoanalyse entwickelt wurde. Ich gebe nicht die einfache Antwort, dass indische Analytiker in westlich-modernen Inseln wie Delhi, Bombay, Kalkutta und Bangalore praktizieren. Dort, unter den Angehörigen der Ober- und oberen Mittelschicht, gibt es genügend viele Patienten, die das Freudsche Bild vom Menschen und von den Ursachen seines Leidens akzeptieren und den Analytiker als ihren Verbündeten betrachten, der ihnen helfen soll, ihre Individualität zu verwirklichen.

Ich weiß, dass der Frager wissen will, welche Bedeutung die Psychoanalyse für die Mehrheit der Inder hat, die in ihrer Kultur tief verwurzelt sind. Daher antworte ich: Ja, das traditionelle Indien ist in der Tat sehr anders. In Indien spielt die Großfamilie eine viel größere Rolle als die Kleinfamilie, Muttergöttinnen sind wichtiger als ein Vatergott, der Mensch gilt nicht als Individuum mit einer eigenen Persönlichkeit, sondern als inter- und transpersonales Geschöpf. Außerdem gibt es wesentliche Unterschiede zwischen dem traditionellen Indien und dem modernen Westen, was die Vorstellung von einem erfüllten Leben angeht. Meine Erfahrung mit traditionellen indischen Patienten sagt mir aber, dass Psycho–analyse möglich ist. Man muss nur »die erforderlichen Anpassungen vornehmen«, wie jener indische Astrologe erklärte, als man ihn fragte, wie er Horoskope stelle, wo doch neue Planeten entdeckt worden seien, die in seinem überkommenen System nicht existierten.

Manche dieser Anpassungen betreffen die Theorie. Der indische Analytiker muss erkennen, dass einige psychoanalytische Vorstellungen von psychischer Reife, sozialem Verhalten, »positiven« oder »negativen« Lösungen von Entwicklungskonflikten und Komplexen (wie etwa dem Ödipuskomplex), die meist als universelle Wahrheiten daherkommen, tatsächlich Ausdruck von Erfahrungen und Wertbegriffen des europäischen Bürgertums sind.

Andere Anpassungen beziehen sich eher auf technische Aspekte. Beispielsweise wird in der traditionellen indischen Kindererziehung und in den sozialen Beziehungen Wert auf ein enges, symbiotisches Miteinander gelegt. Was der indische Patient vom Analytiker erwartet – Mitleid und Interesse, Wärme und Anteilnahme –, entspricht eher dem, was er von einem Guru erwartet, als dem westlichen Arzt-Patienten-Verhältnis. Ein indischer Analytiker, der seine Patienten behalten will, kann solche kulturellen Erwartungen nicht ignorieren, sondern muss seine therapeutische »Neutralität« innerhalb dieser Parameter gestalten.

Bei vielen traditionell orientierten indischen Patienten ist die Psychoanalyse aber vor allem deshalb möglich, weil sie, ebenso wie die Patienten im Westen, eine psychologische Modernität besitzen. Diese Modernität ist nicht mit historischer Modernität zu verwechseln, und sie ist auch nicht das Ergebnis der europäischen Aufklärung. Psychologische Modernität heißt, dass der Einzelne erkennt, dass er ein eigenes, komplexes Bewusstsein besitzt.

Es ist die Erkenntnis (und sei sie noch so vage, widerwillig oder konfliktbeladen), dass es subjektive Gefühle und Empfindungen (wie Zorn, Neid und Habgier) sind, die Leiden verursachen, und dass das eigene Bewusstsein helfen kann, gestörte Gedanken und Gefühle im Zaum zu halten und zu bearbeiten.

Traditionsbewusste Hindus würden dem zustimmen und darauf verweisen, dass menschliches Leiden durch die fünf Hauptleidenschaften Geschlechtstrieb, Zorn, Habsucht, Schwärmerei und Egoismus verursacht wird. Auch ein Buddhist würde das Leiden auf innere Ursachen zurückführen, auf Wahrnehmungstrübungen infolge von Angst, Habgier und Neid, die allesamt Ausdruck von Festhaltenwollen sind. Ob im traditionellen Indien oder im modernen Westen – die Psychoanalyse ist nur bei »psychisch modernen« Menschen möglich, denen klar ist, dass nicht externe Kräfte (ein zorniger Gott, ein böser Geist, das Karma eines früheren Lebens), sondern sie selbst die Quelle und die potenziellen Heiler ihres seelischen Leidens sind.

Es gibt jedoch eine Schwierigkeit. Für den traditionellen Inder ebenso wie für den modernen westlichen Patienten, der einen Psychoanalytiker aufsucht, ist Introspektion der Königsweg zur Überwindung von seelischen Problemen. Aber die traditionellen indischen Methoden, die verschiedenen psycho-philosophischen Meditationsschulen, sind nicht dasselbe wie die Selbsterforschung, die in der Psychoanalyse gefordert wird. Die Psychoanalyse, eine abendländische Wissenschaft, stützt sich auf die introspektiven Elemente der späthellenischen Philosophie, in der sich das Selbst durch die aktive Betrachtung des eigenen Lebens definierte, wie dies in der sokratischen Formel des »Erkenne dich selbst« zum Ausdruck kommt.

Die Inder, genauer gesagt die Hindus, kennen eine ähnliche Formel – atmanam vidhi (»Erkenne dein Selbst«), doch das Selbst (atman) unterscheidet sich wesentlich von dem, was Sokrates darunter versteht. Es ist ein metaphysisches, kein biografisches Selbst, losgelöst von Zeit und Raum und daher ohne die lebensgeschichtliche Dimension, die der Kern der Psychoanalyse ist.

Ein traditioneller Inder ist daher psychologisch modern, aber er muss nicht psychologisch bereit im psychoanalytischen Sinne sein. Ganz abgesehen von den introspektiven Fähigkeiten, die der einzelne Patient, ob Europäer oder Inder, mitbringt, muss also die biografische Introspektion erlernt werden, sodass ein indischer Analytiker zunächst sehr viel didaktischer vorgehen wird als sein westlicher Kollege. Und wenn sich sein Patient immer wieder sträubt, den Weg zum biografischen Selbst zu beschreiten, kann sich der indische Analytiker jedes Mal mit dem Gedanken trösten, dass Freud selbst den Beruf des Psychoanalytikers als einen von drei unmöglichen Berufen bezeichnet hat. Allerdings wird er Freuds Worte kaum mit der gleichen befreienden Ironie verwenden können.

Aus dem Englischen von Matthias Fienbork

Sudhir Kakar lebt als Psychoanalytiker in Goa, Indien. Er lehrte an zahlreichen herausragenden Universitäen in USA, Asien, und Europa auch am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Seine Bücher wurden in 21 Sprachen übersetzt und ergehört zu den 25 renommiertesten Intellektuellen unserer Zeit. Zuletzt ist bei C.H. Beck von ihm erschienen: „Freud lesen in Goa“ (2008)