Alle Beiträge von Anna Pohlmann

Körperbilder

In dem Körperschema der frühen Säuglingsjahre haben sich bis etwa zum zweiten Lebensjahr alle Handlungen und Eindrücke mit der Umwelt als ein zweidimensionales strukturelles Muster ausgebildet, was von der sensomotorischen Entwicklung hergeleitet ist. Diese Erfahrungen speichern sich neurologisch in einem Körperschema, welches von einer konkretistischen Erlebniswelt geprägt ist und noch keine bildhaften Vorstellungen enthält.

Es bildet aber die Basis für den Aufbau einer intrapsychischen dreidimensionalen Symbolstruktur, die zu einer verinnerlichten Vorstellung und Wahrnehmung des eigenen Körpers als »Körperbild« führt. Dieses prägt als fortschreitendes »Selbst – Bewusstsein« die folgenden Entwicklungsebenen von Geist und Psyche und somit den generellen Umgang mit den konkreten Anforderungen des Lebens.

Galerie von Körperbildern nach angeleiteter und freier Körperreise sowie einer entsprechenden Tanzimprovisation mit und ohne Musik

FRAGMENTIERTES BEWEGUNGSVERHALTEN

EINGESCHRÄNKTES BEWEGUNGSEMPFINDEN

BEWUSSTES BEWEGUNGSERLEBEN

DIAGNOSTIKSKALA DER BEWEGUNG NACH MARTHA DAVIS

Die gezeichneten Körperbilder sind der  klinischen und ambulanten tanztherapeutischen Praxis von Anna Pohlmann entnommen. Entsprechend dem symboltheoretischen Ansatz des Instituts und dem der Säuglingsforschung wurden sie mit einer Untersuchung zum diagnostischen Bewegungsverhalten von Martha Davis aus den USA in Beziehung gesetzt.

Fragmentiertes Bewegungsverhalten
und geringe oder keine Vorstellung eines Körperbildes

a) impulsive, unberechenbare Wechsel der Gesten oder Haltungen. Sie starten abrupt oder stoppen über unberechenbare Impulse innerhalb einer Bewegung
b) Gebrauch eines Körperteils. Längere Bewegungspausen  bevor eine Bewegung in einem anderen Körperteil beginnt
c) sporadisch ereignende Bewegungen in verschiedenen Körperteilen innerhalb einer Phase ohne klare oder fließende Verbindung
d) überstreckte Finger und/oder Handflächen. Anspannung und Abspannung in den Handgelenken innerhalb eines neutralen Tonus
e) zwei oder mehrere Körperteile gehen gleichzeitig in unterschiedliche Raumrichtungen (Räumliche Fragmentation)
f) Unterschiedliche gleichzeitige Rhythmen erscheinen in der Bewegung in unterschiedlichen Körperteilen, die beziehungslos erscheinen.

Eingeschränktes Bewegungsempfinden,
unterschiedliche Ausprägung  eines Körperbildes

Diffusität – Zerstreutheit
Bewegungsabläufe sind unklar, keine Gradlinigkeit. Runde oder dreidimensionale Bewegungsbahnen. Keine klaren Übergänge und räumlich zertrennte Phasen.

Exaltiertheit – Übertreibung
Gestellte, manirierte Bewegungen oder Posen statt identische, intuitive Gesten, Pantomime.

Fixierung – Unbeweglichkeit
Bewegungen auf einer Ebene wie in einem satz ohne Pausen auf einer Linie.

Gebundenheit – aktive Kontrolle
Einige Körperteile werden für längere Perioden aktiv an- oder festgehalten und eingeschränkt.

Schlaffheit – Trägheit
Körperpartien sind stillgelegt, vollkommene Mühsamkeit bis hin zur Schwere. Körperteile zeigen auch in Ruhe Kraftlosigkeit, völlige Schlaffheit und Nachgiebigkeit gegenüber der Schwerkraft.

Eingeschränkte oder reduzierte Mobilität
Absolut unbeweglicher Kopf auch wenn die Person spricht oder sich bewegt. Meist keine aktiven Bewegungseinleitungen im unteren Rumpf.

Bewusstes Bewegungserleben,
symbolische Vorstellung eines Körperbildes

a) Hohe Rate an Haltungen und Gesten in der Bewegung
b) Räumliche Komplexität: Formen, klare Direktionen, kurvenreiche Übergänge, diagonale Bewegungen ereignen sich in innerhalb der Körperteile und in Bezug zum Raum
c) Hohe Anteile des Antriebs Fluss mit frei und gebundener Qualität, keine neutrale oder gleichmäßige Antriebsdynamik.
d) Viele Antriebsqualitäten deutlich sichtbar überall im Körper.
e) Vorhandensein unterschiedlicher und wechselnder Antriebsqualitäten deutlich sichtbar und häufig.
f) Klare Beziehung zum Antriebsfaktor Gewicht. Besonders in Bewegungen des Kopfes und der Körperglieder.

 

 

Gruppentherapie

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Gruppentherapien richten sich an Personen, die in der Begegnung mit anderen Menschen Selbsterfahrung suchen. Das Ziel dieser Gruppen ist es,  eine Lösung für aktuelle Probleme zu finden oder ihre Persönlichkeit und ihre kreativien Potentiale weiter zu entwickeln. Die Dauer richtet sich nach dem Inhalt der Gruppen. Bewegungserfahrung ist keine Vorausetzung, es sei denn, es handelt sich um eine entsprechende Ankündigung.

Einzelstunden Tanztherapie

Einzeltherapien schulen den kreativen und tänzerischen Ausdruck oder stabilisieren generell die Persönlichkeit. Sie können auch als Heiltherapie bei neurotischen Störungen oder bei tieferen psychischen Problemen zur Gesundung beitragen. Die zeitliche Dauer entspricht dann dem prozessorientierten Verlauf der Einzelsitzungen. Termine werden auf Anfrage vergeben. Die Aufnahme erfolgt über ein Vorgespräch.

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Das Eintauchen in einen Moment der positiven Regression kann erst dann geschehen, wenn das tiefe Erlebnis des Gehalten werdens auch körperlich erfahrbar geworden ist und in den Bewegungen einer frühkindlichen Erlebnissphase ihren Abschluß findet. Erst dann beginnt die Person den eigenen Wert auch im Gegenüber zu erkennen. Schmerzhaftes Erinnern wird zugelassen, der eigene Rhythmus wird in der therapeutischen Beziehung erfahrbar.

Termine nach telefonischer Vereinbarung

 

Moderner Tanz

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Choreografie: Lucinda Childs / Dance

In allen Tänzen zeigen sich Bilder vom Menschen in ihrer kulturellen und geschichtlichen Prägung. In ihrem Mittelpunkt steht der Körper, der jenseits der Sprache durch den Tanz ein komplexes Wissen über den Menschen vermittelt. Im Tanz wird das Denken nicht als etwas Statisches begriffen, sondern als ein Vorgang innerhalb einer Bewegung. Die Betrachtung des Tanzes bezieht sich damit zunehmend  auf philosophische Gedankengänge der „Leiblichkeit“ von Merleau-Ponty, womit in der Flüchtigkeit des Tanzes ein Erfahrungsraum an der Grenze von Sichtbarem und Unsichtbarem herbeigeführt werden kann.

Darin ist das Unsichtbare nicht nur Nicht-Sichtbares, das von Anderen noch nicht oder nicht mehr gesehen wird, sondern eine Form der Abwesenheit. Damit werden Bezüge zu psychologischen und therapeutischen Bedingtheiten möglich, in denen ebenfalls das Nicht-Gesagte oder Nicht-Vorhandene die Bedeutung mitbestimmt.

Eine Form der Abwesenheit, die Winnicott als „intermediären Raum“ bezeichnet. In diesen fließen in gleicher Weise innere Realität und äußeres Leben ein. Damit stellt Winnicott eine Grundlage zur Verbindung von Tanz und Therapie bereit. So werden Zusammenhänge sichtbar, die sich andernfalls der Wahrnehmung entzögen.

Erfahrungen von Zeitlichkeit und Vergänglichkeit lassen sich damit ebenso vermitteln, wie die der räumlichen Leere und eines Zustands des Dazwischen sowie die der Zwischenleiblichkeit.


Ausdruckstanz


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Mary Wigman, Allegro con brio, 1920 und Tanz des Leidens, 1930

Der nach hinten gebeugte große Bogen, der „arc en cercle“ als leidenschaftliche Ausdrucksgebärde. Diese Gebärde erscheint im Tanz in der von Freud in Hypnose versetzten „Traumtänzerin Madeleine“,  die seine Lehre und insbesondere die der Hysterie beeinflussen wird.

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„Hexentanz“ 1926

Der Ausdruckstanz steht in enger Verbindung zum Expressionismus des 20. Jahrhunderts in Deutschland, der als generelle Aufbruchsstimmung gegen die bürgerliche Ordnung gerichtet war. Als Erlebniswelt des Individuums stellt er die seelische Befindlichkeit des Menschen in den Mittelpunkt der künstlerischen Darstellung. Im Ausdruckstanz gelangt sie zur körperlichen Darstellung und wird zum Ausdrucksmittel von Lebens- und Leidensthemen. Die formgebende symbolische Kraft des Tanzes wird zum Ausdrucksmittel, womit höhere Bewusstseinsebenen des menschlichen Daseins angesprochen werden, analog den gedanklichen Strömungen von Nietzsche und Freud.

Der Ausdruckstanz kann damit als erste choreografische tänzerische Eigenleistung im mitteleuropäischen Raum verstanden werden. In ihr findet die Auseinandersetzung mit der „Triebwelt des Menschen“ durch die Tanzkunst ihren körperlichen Ausdruck. Darin ersetzen die Ausdrucksästhetik und der Rhythmus die Schönheit und Grazie des klassischen Tanzes.


Bewegungsanalyse Rudolf von Laban


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Rudolf von Laban beginnt sich frühzeitig für Anatomie und dem Zusammenspiel von Knochengerüst und Muskeln sowie ihren harmonischen Gesetzmäßigkeiten zu interessieren. Ihn zeichnet eine pädagogische und kulturell-aufklärerische Mission aus, beeinflusst von mystischem und philosophischem Gedankengut. 1923 gründet er in Hamburg die erste Laban-Tanz-Schule. Weitere folgen in anderen Städten. In ihnen verbreitet er seine Ideen des Laientanzes und seiner Bewegungschöre. Der Nationalsozialismus macht sich anfangs diese choreografischen Aspekte zu Nutze, erkennt aber bald deren emanzipatorischen Character. Aufgrund seiner  politischen Verfolgung emigriert er über Frankreich nach England, wo er seine Arbeit bis zu seinem Tode im Jahre 1958 fortsetzt.

Von Laban beginnt theoretisch und praktisch die Gesetzmäßigkeiten der Bewegung zu erforschen. Dabei helfen ihm die Studien altgriechischer Philosophen und pythagoräische Theorien der Harmonie. Diese erlauben ihm, den Körper als eine ideale geometrische Figur in einen Ikosaeder zu stellen. Dieser wird gleichermaßen den körperlichen Proportionen wie auch den meistgenutzten Raumrichtungen gerecht.

Er entwickelt eine „Notenschrift der Bewegung“, eine Theorie der Antriebslehre und letztlich ein sehr komplexes System als Lehre von der  Dynamik menschlicher Bewegung. Sein zentraler Gedanke ist eine universale schöpferische Gebärdenkraft des Menschen, deren tänzerisches Sein zu einem Mittelpunkt der Erkenntnis führt.


Zeitgenössischer Tanz


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Tänzerinnen des CDSH im Sprechwerk Hamburg, Foto: Sabine Hanse

Der Zeitgenössische Tanz zeichnet sich durch eine besondere Vielfalt und einen außergewöhnlichen und interkulturellen Facettenreichtum aus, wodurch er schwer zu definieren und tanzgeschichtlich kaum einzuordnen ist. Die Choreografien unterscheiden sich in Tanzstilen und Ästhetiken, die sich über vielseitige Körperbewegungen und choreografische Kompositionsprinzipien definieren. Ihr Spektrum reicht von der Virtuosität des Tanzes bis zum Nicht-Tanz, von Populärtänzen bis zur klassischen Tanztechnik des Balletts.

Alle Tanzstile verästeln sich zu einer hybriden Mischung in multidisziplinärer Weise. So entstehen eine ständige Veränderung und ein kontinuierlicher Wandel von Form und Denken bis hin zur Einbeziehung neuer Technologien. So entsteht ein großes kreatives Potential im Tanz mit einer sich ständig weiter entwickelnden innovativen Dynamik, in der der Körper in den Mittelpunkt der künstlerischen Praxis rückt und das Bewusstsein für die Realität stärkt. Grundlage sind der Postmoderne Tanz des Judson Dance Theaters der 60er Jahre in den USA und die Entwicklungen des Tanztheaters in Deutschland. Es entsteht eine Situation in welcher der Zuschauer nicht mehr nur noch Empfänger und der Künstler nicht nur noch Bedeutungsträger ist.

Psychotherapeutische Tanztherapie

Weiterbildung „Psychotherapeutische Tanztherapie“

Zeit: Samstag 10 – 20 Uhr / Sonntag 10 – 16 Uhr
Ort: Studio Max-Brauer-Allee 72
Leitung: Anna Pohlmann

Die Weiterbildung in Psychothrapeutischer Tanztherapie findet innerhalb einer geschlossenen Gruppe statt, ergänzt durch deren regionale Gruppentreffs.  Die inhaltliche und methodische Ausrichtung kommt als Ansatz des Instituts in Selbsterfahrung und praktischer Vermittlung der Methode in prozessorienter Weise zur Anwendung. Mit dem fünftägigen aushäusigem Intensivseminar werden die gruppendynamischen Prozesse intensiviert. Laufende Protokolle garantieren den theoretischen Bezug und schulen die schriftliche Ausdrucksfähigkeit als Hinführung zur Abschlussarbeit. So garantiert die Weiterbildung eine Entwicklung der persönlichen und fachlichen Kompetenz von Psychotherapeutischer Tanztherapie auf unterschiedlichen Ebenen von künstlerischer Projektarbeit bis zur psychotherapeutisch heilenden Tätigkeit.

weitere Infos

Die Anmeldung erfolgt über das Zulassungsseminar